Planung und Bau
Grundsätzlich sind Regenwassernutzungsanlagen in jedem Gebäude installierbar. Ausnahmen ergeben sich bei Gebäuden, die keinen geeigneten Platz für den Regenspeicher oder keine geeigneten Dachflächen haben oder nicht gegenüber einem Kanalrückstau abgesichert werden können. Grundlagen der Planung sind die oben beschriebenen technischen Mindeststandards und die auffangbaren Wassermengen.
Die Speichergröße, orientiert sich hauptsächlich an der verfügbaren Dachfläche und Niederschlagsmenge und berechnet sich aus:
Regenwasserertrag/Jahr in m³ x Ladebeiwert (0,06) = Speichergröße in m³.
Falls der Bedarf an Regenwasser geringer ist als der Ertrag, kann die Berechnung des Speichergröße anstelle des jährlichen Regenwasserertrags nach dem jährlichen Regenwasserbedarf erfolgen. Hierbei ist aber zu bedenken, dass im Laufe der Betriebszeit einer Regenwassernutzungsanlage der Regenwasserbedarf durch Veränderung der Personenzahl variieren kann.
Gewarnt sei vor zu großen Speichern, da diese zu selten überlaufen, kann die Schwimmschicht nicht abgeschwemmt werden (Fehlen der 3. Reinigungsstufe), in der Folge fault das Wasser und muss dann verworfen werden. Im übrigen zeigt die Praxis, dass auch mit einem eigentlich knapp dimensionierten Speicher noch ein verblüffend hoher wirtschaftlicher Nutzen erzielbar ist.
Computersimulationen haben ergeben, dass bei doppelgroßem Speichervolumen lediglich eine Nutzungssteigerung von ca. 5% erzielt wurde, aber bei halbgroßem Speichervolumen immer noch eine beachtliche Deckungsrate von ca. 85% erzielt werden konnte.
In der Praxis ist leider immer wieder festzustellen, dass ungenügend informierte “Fachleute“ weit überdimensionierte Speicher anbieten, nach dem falschen Motto “viel hilft viel“.
Sorgfalt ist bei der Auftragsvergabe an Installationsbetriebe und Regenwasser-Fachfirmen geboten. Da die Regenwassernutzung noch eine junge Gebäudetechnik ist, haben einige ausführende Firmen nur wenig Erfahrung bei der Installation von Regenwassernutzungsanlagen. Nicht jede Firma, die Regenwasserspeicher oder Pumpen herstellt oder anbietet ist auch ein Spezialist für komplette Anlagen. Prüfen Sie bei dem Betrieb Ihrer Wahl, ob komplette, abgestimmte Systeme angeboten werden und lassen Sie sich einige Referenzanlagen nennen. Lassen Sie sich auch die Berechnungsgrundlagen für Ihre Speicherdimensionierung erläutern.
Ein Hauptfehler ist meist bereits bei der Planung festzustellen. Oft besteht noch die altertümliche Vorstellung, leider auch bei vielen Architekten und Planungsbüros, dass eine Regenwassernutzungsanlage lediglich aus einem Sammelbehälter mit je einem Loch für Zu- und Ablauf, sowie einem Hauswasserwerk besteht. Die Fallrohre werden ohne Filter direkt angeschlossen, wie früher bei einer Jauchegrube, anschließend wird dann lediglich ein “Saugrohr“ ohne Leerrohr in der Erde vergraben. Ein weiterer grober Fehler erfolgt dann bei der Auftragsvergabe. Der Bau einer Regenwassernutzungsanlage wird in zwei unabhängige Teilbereiche aufgeteilt. Der Roh- oder Tiefbauer soll beim Bauaushub gleich den Erdspeicher und die Grundleitungen, der Installateur später die restliche Anlagetechnik einbauen. Diese unkoordinierte Auftragsaufteilung führt in den meisten Fällen zu technischen Problemen, die sogar den Bau einer funktionierenden Anlage verhindern können, oder nur mit kostspieligen Änderungen ermöglichen. Insbesondere sei davor gewarnt, erst einmal einen beliebigen Wasserspeicher zu setzen und später die restliche Anlagentechnik auszuwählen und einzubauen. Die Bauausführung der gesamten Anlage sollte möglichst in einer Hand liegen, zumindest aber von einer verantwortlichen Person (evtl. dem informierten Bauherren/Baufrau selbst) unter Berücksichtigung der einzubauenden Gesamtanlage koordiniert und überwacht werden.
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